Zeitverständnis der alten Ägypter

Der Zyklische und die Ewigkeit

Die Pyramiden Ägyptens

Die Pyramiden sollen Stein gewordene Zeit symbolisieren

Im alten Ägypten gab es nicht das Zeitverständnis, welches unsere westliche Welt heute entwickelt hat. Während wir die Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufteilen, hatten die alten Ägypter ein dualistisches Zeitverständnis. Für sie gab es zum einen die zyklische, immer wiederkehrende Zeit und die ewige Dauer. Erst beide Aspekte gemeinsam bildeten für Altägypten den Begriff Zeit.

Neheh, stand für die bewegte, zyklische Zeit und ist männlich. Neheh steht für den Sonnengott Re.

Djet, stand für die ewige Dauer und ist weiblich. Djet steht für den Beherrscher der Toten, Osiris.

 

Altägyptische Kosmologie

In der altägyptischen Kosmologie stützen Neheh und Djet den Himmel. Beide zusammen brachten die Zeit hervor. Die Zeit erschuf den Raum und bewahrte die Ordnung.

Im alten Ägypten wurde der Kosmos beobachtet, um zyklische Ereignisse zu erkennen. In diesen Zyklen offenbarte sich für die Ägypter das Göttliche. Verschiedene Rituale dienten dazu, durch zyklische Wiederholungen die Ordnung zu erhalten. Viele dieser Rituale dienten dazu, das Vorankommen der Sonne zu unterstützen. Man glaubte, dass ohne Rituale, die Sonne ihren Weg, den Sonnenuntergang und -aufgang nicht alleine schaffen könne.

 

Neheh und Djet

Sonnengott Re

Re ist verbunden mit Neheh und steht für die zyklische Zeit

Neheh, die männliche zyklische Zeit, manifestierte sich im An- und Abschwellen des Nils, im Sonnenauf- und untergang, im Mondverlauf, im Zyklus der Bäume, welche ihre Blätter verlieren und im Frühjahr neue nachwachsen lassen etc.

Das eigene menschliche Dasein war zyklisch. Der Mensch durfte auf einen völligen Neuanfang nach Abschluss seines Lebens hoffen. Und mit Neuanfang ist ein wirklicher sich verjüngender Neuanfang gemeint. Der Sonnengott ensteht, wie er beim ersten Mal in der Erde des ersten Mals entstanden ist. So sprachen die alten Ägypter auch nicht vom Abschluss eines Jahres, sondern von einem sich immer wieder mit dem Frühjahr verjüngenden Zyklus.

Rituale im alten Ägypten dienten der Stabilisierung aller zyklischen Wiederholungen.

Djet, die weibliche ewige Dauer, ist das ewig vollkommene. Die Pyramiden symbolisieren die Ewigkeit durch Stein gewordene Zeit. Die Mumien Ägyptens sind ebenfalls Ausdruck dieser Ewigkeit. Kein Leichnam sollte jemals verfallen.

Die Vereinigung von Neheh und Djet in eine ewige zyklische Zeit wurde von den Ägyptern sehr oft dargestellt. Der Sonnengott Re befährt bei Tag den Himmel und Nachts taucht der in die Unterwelt des Osiris ein. Diese Vereinigung fand symbolisch immer um Mitternacht satt.